Ich will helfen!

Helfen Sie und unterstützen Sie unsere Arbeit!

Spenden Sie jetzt oder werden Sie Pate.

zurück

Aktuelles

Vielleicht.

01.04.2021

Vielleicht.

Seit Wochen versuchen wir alles, um noch irgendeine Möglichkeit zu finden. Vielleicht noch eine Option, die wir nicht kennen. Vielleicht noch ein kleines Wunder. Vielleicht aber auch ein vielleicht zu viel. Denn wenn ich dich da so sehe, dann weiß ich, dass wir dir hier langsam keinen Gefallen mehr tun.

Diese unbändige Freude, wenn die ehrenamtlichen Helden kommen, um sich um dich zu kümmern, morgens, mittags, spät am Abend. Die Azubis, die dich zu jeder Runde freudig mitnehmen, dir ihre Mittagspausen schenken und deine ganzen kleinen Missgeschicke mit einem Lächeln aufwischen. Ja, Liebe ist nicht das was man fühlt, sondern dass was man tut… Sagten wir ja schonmal.

Aber Liebe, bedeutet auch loslassen. Liebe bedeutet, dich anzuschauen und zu spüren, dass wir dir die „paar Stunden“ am Tag schenken können, aber du immer weiter abbaust. Dass du immer verwirrter wirst, du manchmal minutenlang weggetreten bist. Und du hier eben doch irgendwie alleine bist. So verkrampft wir versuchen, dir noch mehr Zeit zu schenken, ist es vielleicht Zeit, dich gehen zu lassen.

Der Aufruf nach einem neuen Zuhause für dich war schon ein verzweifeltes nicht einsehen wollen und vielleicht auf ein Wunder hoffen. 

Wir haben euch dort draußen mitgenommen,  immer wieder von Cheyenne berichtet und versucht, euch viele Einblicke in unsere Arbeit zu geben. Und somit gehört auch diese Nachricht dazu.  

Seit drei Tagen haderte ich bereits mit mir selbst. Ich spürte, dass es ihr immer schlechter ging und wir leider nichts mehr tun konnten. Als ich morgens ins Tierheim kam, stand Lena gerade vor Cheyennes Zimmer uns guckte durch die Glastür. Ich schaute sie an und ihr liefen die Tränen. Wir wussten beide, dass wir dasselbe dachten, ohne miteinander zu reden. Ich entschied den Tierarzt anzurufen.

Verzeiht mir die späte Mitteilung, aber Cheyenne durfte Sonntagmorgen in Ruhe einschlafen.

In diesen ungewissen Zeiten und dem Hoffen, dass es bald wieder besser wird, aber mit der Einsicht, dass dies nicht so schnell passieren wird, fehlt oft auch mir die Kraft. Als Leiter halte ich seit einem Jahr die Fahne hoch und habe eine verdammte Angst um dieses Tierheim. Jeder weiß hier im Team, dass wir trotz der Krise und dank euch dort draußen nicht ein einziges Tier aus finanziellen Gründen zurücklassen mussten.  

Neben der Mitteilung, dass Cheyenne jetzt gehen durfte, ist es mir am wichtigsten, diese Nachricht zu nutzen, um etwas ganz deutlich zu sagen. Ich bin mir wirklich so oft nicht sicher, ob ich/wir das hier schaffen, ob der Weg der richtige ist, ob ich das aushalte und ob unsere Reformen die richtigen sind. Aber in einer Sache, da bin ich mir 110% sicher.

Liebe Lena, liebe Vanessa, liebe Evelyn, liebe Oma, liebe Azubis… Als ich mich gefragt habe, warum wir es nicht geschafft haben, ein Zuhause für Cheyenne zu finden, bevor es zu spät für sie war, wurde mir eins klar. Wir hatten ein Zuhause gefunden. Da wart ihr! Ihr habt ihr so viel Liebe geschenkt, ihr Zimmer 30 Mal am Tag gewischt und jeden Sonnenstrahl mit ihr eingefangen - das war ihr Zuhause.

Wie ruhig du sie gehalten hast und sie so seelig und vertraut in deinen Armen einschlief, das hat nichts mit einem normalen Tierpflegerdasein zu tun. Und erst als ihr Herz aufhörte zu schlagen, liefen deine Tränen. 

Ich hoffe, so groß die Trauer bei euch Helden auch ist, ist auch das Lächeln, wenn ihr daran denkt, was für eine unfassbar schöne Zeit ihr Cheyenne geschenkt habt, weil ihr seid wie ihr seid. Den Rest konnte keiner von uns beeinflussen. So gerne wir es wollten. 

Schlaf gut du süße Schnöfnase!

Dein Dominic